Infothek: „Wir wollen die Energiewende schaffen“

Karl-Heinz Lawrenz, Geschäftsführer der ÖkoTronik Solartechnik GmbH & Co. KG, im Interview mit der TU Darmstadt. Der Fachbereich Architektur, Fachgebiet Entwerfen und Energieeffizientes Bauen, entwickelt im Rahmen des Projekts „Benefit E“ Strategien zur Beseitigung bestehender Hemmnisse zur Integration solaraktiver Systeme in die Gebäudehülle. Das im April 2015 geführte Interview wird mit Fokus auf die Photovoltaik auszugsweise wiedergegeben.

TU Darmstadt: Herr Lawrenz, wie schätzen Sie die aktuelle Entwicklung in der Photovoltaikbranche ein?
Karl-Heinz Lawrenz: Wir hatten bis etwa 2012 einen rasanten Zubau von PV-Anlagen − mit etwa 30 Gigawatt derzeitiger Netzleistung. Das ist sehr viel. Vor zehn Jahren hätte das sicher niemand gedacht. Ab 2013 ist es dann auch für uns Installateure immer schwieriger geworden. Die Berichterstattung in den Medien über die veränderten Rahmenbedingungen hat viele Interessenten verschreckt. Festzustellen ist, dass sich eine PV-Anlage nach wie vor lohnt und durch den Selbstverbrauch sogar noch wirtschaftlicher wird. Das Einspeisegesetz bildet nur noch eine Randbedingung, damit auch in Zukunft der nicht selbst verbrauchte Strom vorrangig eingespeist werden kann.

TU Darmstadt: Der Einbruch ist primär nicht auf wirtschaftliche Veränderungen zurückzuführen?
Karl-Heinz Lawrenz: Lange Zeit gab es in der Öffentlichkeit eine rege Diskussion, dass die Vergütung zu hoch ist. Was so nicht stimmt, weil 20 Jahre eine lange Zeit sind, in der die Anlage funktionieren muss. Insofern ist es wichtig, etwa für Reparaturen Rücklagen bilden zu können. Die Diskussion ignoriert ebenso, dass die Kosten in den letzten Jahren extrem nach unten gegangen sind. Der Solarkilowattstundenpreis liegt heute zwischen 8 und 15 Cent. Trotz EEG- Umlage auf den Selbstverbrauch ist die Photovoltaik selbst für viele mittelständische Betriebe interessant, weil diese in der Regel einen Kilowattstundenpreis von 16 bis 17 Cent zahlen.

TU Darmstadt: Der Einsatz von Photovoltaik wäre gerade für Unternehmen eine wirtschaftliche Lösung?
Karl-Heinz Lawrenz: Ja. Wir machen momentan ein Projekt mit einem mittelständischen Betrieb im Werkzeug- und Maschinenbau. Wir haben es durchgerechnet: Die Anlage hat mit unter zehn Jahren eine sehr gute Amortisationszeit.

TU Darmstadt: Welche Aspekte entscheiden heute über eine PV-Nutzung?
Karl-Heinz Lawrenz: Beim Bauherrn ist es mittlerweile der Selbstverbrauch, aber auch der Umweltaspekt. In der Boomzeit stand die Einspeisevergütung im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Betrachtung. Mit dem Selbstverbrauch ist die Vergütung in den Hintergrund getreten. Viele Interessenten sagen mir auch: «Wir dürfen den Umweltaspekt nicht nur der Politik überlassen, sondern müssen auch selbst etwas machen».

TU Darmstadt: Was müsste seitens der Politik unternommen werden, um eine breitere Anwendung der Regenerativen Energien zu erreichen?
Karl-Heinz Lawrenz: Im Moment wird da sehr viel zerredet. Ich wünsche mir eine Kampagne, die noch einmal als großes Ziel der Politik herausstellt: «Wir wollen die Energiewende schaffen». Außerdem sollte die Politik darlegen, wie der Umbau möglichst schnell und effizient ablaufen kann.

TU Darmstadt: Sollte es weitere Maßnahmen zur Förderung oder vor allem Imagekampagnen für die Energiewende geben?
Karl-Heinz Lawrenz: Vor Kurzem ist die Förderung für den solarthermischen Bereich erhöht worden. Das ist auf jeden Fall gut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Investitionsbereitschaft steigt, wenn es einen Zuschuss gibt. Selbst wenn es nur wenig ist, ist doch die Motivation, etwas zu tun, eher vorhanden, als wenn es gar nichts gibt.

TU Darmstadt: Sollte die Errichtung oder der Anlagenbetrieb gefördert werden?
Karl-Heinz Lawrenz: Im solarthermischen Bereich sollte die Errichtung weiterhin bezuschusst werden, aber auch für jeden Bauherrn steuerlich absetzbar sein. Bei der Photovoltaik müsste man darüber nachdenken, die Förderung umzustellen. Es wäre sicher ein Anreiz für Investoren, wenn sie wie bei der Solarthermie schon bei der Installation unterstützt werden.

TU Darmstadt: Wären auch gesetzliche Verschärfungen sinnvoll?
Karl-Heinz Lawrenz: Es gibt ja bereits eine Vorgabe, dass im Neubaubereich ein gewisser Anteil an Regenerativen Energien eingesetzt werden muss. Ich weiß allerdings nicht, ob es immer gut ist, Vorgaben zu machen. Besser ist, Investoren zu motivieren, selbst aktiv zu werden. Das größere Problem sehe ich auch nicht bei den Neubauten, sondern im Bestand. In diesem Bereich passiert viel zu wenig. Hier müsste es gesetzlich mehr Anreize geben.

TU Darmstadt: Gibt es bei Solaranlagen noch Kosteneinsparpotentiale?
Karl-Heinz Lawrenz: Die Branche steht seit zwei, drei Jahren unter enormem Druck, so dass durch Fortentwicklung und Vereinfachung der Produkte die Kosten noch mehr reduziert werden. Für meine Begriffe ist das Blatt aber im Moment ausgereizt. Die Hersteller brauchen vielmehr Luft in Form von Zeit, um sich wieder ein Potential zu erarbeiten, das größere Preissenkungen ermöglicht.

TU Darmstadt: Sind die Hersteller derzeit in der Lage, Innovationen und neue Produkte zu entwickeln?
Karl-Heinz Lawrenz: Die Hersteller, die übrig geblieben sind, haben ganz klar das Potential und sind auch dabei, sich konsequent weiterzuentwickeln und neue, verbesserte Produkte auf den Markt zu bringen.

TU Darmstadt: Wo sehen Sie Entwicklungspotentiale bei der Photovoltaik?
Karl-Heinz Lawrenz: Bei der Photovoltaik sehe ich vor allem den Speicherbereich. Dieses Segment wird von den Herstellern schon forciert, aber die Systeme sind nach wie vor teuer, obwohl sich der Markt bereits preislich bewegt. In meinen Augen ist es entscheidend, deutlich mehr gute, einfache und kleine Systeme anzubieten. Der zweite Punkt ist das „smart-home-management“: Damit wird in Verbindung mit einem Speicher der Verbrauch im Gebäude so gelenkt, dass ich die Energie, die vom Dach kommt, auch dann nutzen kann, wenn die Sonne nicht scheint. Durch den Einsatz solcher Systeme kann der Selbstverbrauch weiter optimiert werden.

TU Darmstadt: Welche Eigenschaften sollte ein System haben, um als in das Dach integriert zu gelten?
Karl-Heinz Lawrenz: Es sollte farblich zum Dach passen und eine einheitliche Fläche bilden. Einheitliche Fläche bedeutet, dass auf dem Dach durch die Installation keine Erhöhung oder Vertiefung entsteht. Wichtig ist außerdem eine einfache Installation. Heute gibt es Systeme, die installationstechnisch wirklich gut funktionieren und zugleich von den Kosten her in Ordnung sind. Dachintegrierte Lösungen werden daher immer attraktiver.

TU Darmstadt

 

Solarstrom rechnet sich für Sie!

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Durch den Selbstverbauch wird die PV noch wirtschaftlicher. Das Einspeisegesetz …

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… stellt nur noch eine Randbedingung dar, damit auch in Zukunft der nicht …

Solarstrom rechnet sich! Bild 3
… selbst genutzte Solarstrom vorrangig ins Netz eingespeist werden kann.